Herr Schraven: Wer bezahlt den Journalismus von morgen?

David SchravenWer als Printmedium etwas auf sich hält, unterhält ein eigenes Recherchebüro. Kürzlich wurde mit CORRECT!V das deutschlandweit erste unabhängige weil gemeinnützige Recherchebüro gegründet. Als Startfinanzierung spendete die Essener Brost-Stiftung drei Millionen Euro. Die Ergebnisse der Recherchen sollen neben der WAZ auch an diverse andere Medien gehen.

Träger des neuen Recherchebüros ist eine gemeinnützige GmbH. Büros in Essen und Berlin werden unterhalten. Geschäftsführer ist David Schraven, den sicher noch einige aus seiner Zeit von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) kennen. Schraven sagt im Interview bei torial, neben der Anstoßfinanzierung wird sich CORRECT!V auch mithilfe von Crowdfunding finanzieren. Soll heißen: Spätestens wenn die ersten guten Storys veröffentlicht wurden, bittet man die Leser um ihre Unterstützung. Ist das der Journalismus von morgen? Wir halten bei den Lesern die Hand auf? Oder aber wir hoffen auf einen zahlungskräftigen Mäzen, der unsere zeitaufaufwändigen Recherchen bezahlt?

Interessant ist auch der Teil des Gesprächs, wo Schraven sagt, dass wir momentan in einer der besten Zeiten für Journalisten leben. Er erkennt in den teils radikalen Umbrüchen mehr Chancen als Risiken. Mir persönlich ist das viel zu positiv. Es stimmt zwar, was Schraven schreibt. Das Internet wird in den nächsten zehn Jahren noch sehr viel mehr verändern, als wir schon jetzt vermuten. Aber ob das wirklich „toll“ wird?

Wer von den heute aktiven Freiberuflern wird sich noch in zehn Jahren über Wasser halten können? Sicherlich die, deren Auftraggeber von der Haushaltspauschale finanziert werden, der sich hierzulande niemand entziehen kann. Auch vielleicht auch diejenigen, die eine Stiftung oder zahlende Leser gefunden haben, die eine gute Idee unterstützen wollen. CORRECT!V steht für den guten alten Journalismus, wo es keine Rolle spielte, wie lange eine Recherche gedauert hat. CORRECT!V steht dafür, alles umzukrempeln, um Missstände und Korruption aufzudecken. Und auch für einen Journalismus, der weder links noch rechts ist, sondern unabhängig agiert. Im Idealfall geschieht dies sogar unabhängig der Interessen jeglicher Anzeigenkunden.

Ja, das klingt toll. Fast zu schön um wahr zu sein. Das klingt so, wie man den Spiegel vor 30 Jahren lesen und begeistert erleben durfte. Die eigene Messlatte hat man sich in Essen und Berlin recht hoch gelegt. Hoffentlich werden die Macher dauerhaft ihren eigenen Ansprüchen gerecht.

Bild oben: privat.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.