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Jolla: preiswertes Smartphone für Datenschützer

Immer wieder wird gefragt, ob es neben Android, iOS oder Windows Phone auch ein Betriebssystem gibt, bei dem die Benutzer nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden. Ja, das gibt es. Alternative Geräte mit offenen Betriebssytemen kommen zunehmend in Mode. Und sie sind nicht nur für den Einsatz im Kinderzimmer geeignet.

Die wenigsten Leser dürften davon etwas mitbekommen haben: Seit Ende 2013 ist das Jolla-Smartphone erhältlich. Für Kinder und Jugendliche ist dieses Gerät im unteren Preissegment recht gut geeignet. Mit dem Innenleben eines iPhone 6 ist Jolla natürlich nicht zu vergleichen. Dafür ist das Jollaphone im Versand ab 249 Euro erhältlich. Am preiswertesten ist es, das Gerät beim finnischen Hersteller selbst zu bestellen.

Mangels Werbung ist das Unternehmen Jolla bisher kaum in Erscheinung getreten. Auf Deutsch heißt Jolla Jolle. Derzeit versuchen die ehemaligen Nokia-Mitarbeiter, die ihren früheren Arbeitgeber aus Frust verlassen haben, sich auf dem heiß umkämpften Handymarkt zu behaupten. Das gelingt bisher auch ganz gut. Zu einem Global Player wird es wohl nie reichen, davon sind die Gründer offenbar auch nicht ausgegangen. Sie wollen es einfach anders machen, weswegen sie sich den Slogan „We are Unlike“ verpasst haben.

Jollaphone: Viele Apps, die ohne Datenkraken auskommen!

Der Clou: Beim Jollaphone arbeitet man mit dem flotten Betriebssystem Sailfish OS, das die langsame Hardware ausgleicht. Trotzdem ist man bei der Auswahl an Apps nicht eingeschränkt. Der Yandex.Store ist bei Sailfish OS vorinstalliert. Dort sind mindestens 120.000 verschiedene Spiele und Anwenderprogramme verfügbar, die alle von Kaspersky Lab auf Schadsoftware überprüft wurden. Darüber hinaus lassen sich auf dem Gerät alternative App-Stores wie Aptoide oder F-Droid installieren. Auch Apps vom 1 Mobile Market können installiert werden, allerdings kam es dabei gelegentlich zu Problemen. Wer wirklich alle Apps vom Google Play Store nutzen will, muss diesen händisch installieren. Wer sich das wirklich antun möchte, muss sich auf eine zeitaufwändige Fummelei einstellen.

Fazit: Dies ist kein Gerät für ausgemachte Technikfreaks. Apple-Jünger würden sich mit der Leistung dieses Smartphones niemals zufriedengeben. Dafür macht Sailfish OS mit wenigen Ausnahmen einen soliden Eindruck, zu diesem Ergebnis kommen auch die Kollegen von heise Open Source.

Die vielen Android-Apps, die beim Jollaphone über einen Umweg benutzt werden können, lassen einen schnell vergessen, dass man den Mainstream verlassen hat. Im Gegenteil: Damit ist man vor der Sammelleidenschaft von Apple, Google & Co. sicher. Das finnische Unternehmen baut sein Geschäftsmodell im Gegensatz zur Konkurrenz nicht darauf auf, die Informationen seiner Nutzer zu sammeln, zu verarbeiten und an Dritte zu verkaufen. Sie entwickeln und veräußern nur ihre Hardware. Diesen Sommer soll sogar ein selbst entwickelter Tablet-PC auf den Markt kommen. Dafür hat man eine neue Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Bisher haben beim inoffiziellen Nachfolger von Nokia die Umsätze gereicht, um die Gehälter der 150 Entwickler zahlen zu können. Jolla dürfte lange genug bestehen bleiben, um mittel- bis langfristig den Support der eigenen Geräte zu gewährleisten. Außerdem muss hier und da noch ein wenig am mobilen Betriebssystem geschraubt werden. Frei von Fehlern ist Sailfish OS leider noch nicht. Es ist aber auf einem guten Weg. Auch wird zunehmend von Linux-Nutzern kritisiert, dass der Hersteller den Quellcode von Sailfish OS entgegen der Ankündigungen noch immer nicht veröffentlicht hat. Man wird sehen, ob und wann das geschieht.

Verabschieden wir uns nun von Jolla und dem Sailfish, wie es wohl der Science Fiction-Autor Douglas Adams getan hätte:

„Dear Jolla! So Long, and Thanks For All the Fish.“

 

Video: Was kann das Phone von Jolla eigentlich?