Roboterjournalismus: Saim Alkan & Cord Dreyer im Gespräch

Roboterjournalismus_Brett_Jordan
Schon der Begriff Roboterjournalismus ist total irreführend. Wer das Wort hört, denkt an eiserne Hände, die in Höchstgeschwindigkeit über Tastaturen huschen. Damit hat die automatische Generierung von Texten mithilfe von Algorithmen und der Cloud aber nichts gemeinsam.
Ich habe diesbezüglich Saim Rolf Alkan von der Stuttgarter Kommunikationsagentur aexea und Cord Dreyer vom Berliner Startup text-on ausführlich am Telefon befragt. Natürlich wollte ich auch von ihnen wissen, ob und in welchem Umfang diese neue Technik auf Kosten von Arbeitsplätzen Einzug hält.

Die new york german press kündigt in einem Blogbeitrag stolz an, die Maschinen würden sich jetzt daran machen, mit dem Roboterjournalismus eine der letzten Bastionen der Menschen zu erobern. In den USA steht bei Forbes, Yahoo Sports, Bloomberg, USA Today & Co. schon jetzt häufiger unter den Beiträgen ein Verweis auf eine Firma statt auf einen Autor. In den USA waren vor wenigen Jahren die Pioniere Automated Insights und Narrative Science. Was mit einfachen Formeln und Lückentexten anfing, hat sich in den letzten Jahren bereits stark weiterentwickelt. Mittlerweile ist die Software dazu in der Lage, die Zugriffszahlen und Trends von Google Analytics zu verschriftlichen.

Wird der Mensch irgendwann komplett ersetzt? Außerdem dürfte Roboterjournalismus auf Dauer das Berufsbild des Journalisten verändern. Vielleicht gibt es demnächst Mitarbeiter, die für die Ausübung ihres Jobs sowohl gute Journalisten als auch Programmierer sein müssen. Wer als Verlag nicht ständig auf die Unterstützung eines teuren Dienstleisters zurückgreifen will und große Datenmengen analysiert, kommt um solche Spezialisten nicht herum.

Kristian Hammond von Narrative Science sagte gegenüber WIRED, im Jahr 2030 werden neunzig Prozent aller Texte von Maschinen geschrieben. Schon bald diskutieren in Wien auf dem European Newspaper Congress die Entscheidungsträger der Verlagshäuser, wie man künftig mit Hilfe der Maschinen Arbeitsplätze abbauen kann. Gerne wird damit geworben, die Programme seien billiger und zuverlässiger als der menschliche Kollege. Man kann die technische Entwicklung nicht aufhalten. Dennoch beobachte ich diesen Trend recht skeptisch.

Wer sich für weitere Hintergründe interessiert, bei den Netzpiloten kann man sehr viel mehr zum Thema Roboterjournalismus erfahren. Mein Beitrag bei ZDF Hyperland. Weitere Artikel bereite ich gerade vor.

Foto von Brett Jordan – (CC-BY 2.0)

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