Verlage uneins beim Thema Piraterie-Bekämpfung

BörsenvereinNach Medienberichten steht der Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (BöV) auf der Kippe. Bislang verfolgte die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) im Auftrag der deutschen Verlage die E-Book-Piraten. Da sich jetzt zu wenig Verlage für eine finanzielle Teilnahme entschieden haben, steht eine Fortsetzung der testweisen Mitgliedschaft bei der GVU infrage. Der Grund dafür ist einfach: Die Verlage verfolgen unterschiedliche Strategien. Manche lassen in Tauschbörsen abmahnen, andere Verlage beauftragen Firmen mit dem Versand von Takedown-E-Mails. Zudem sind offenbar nach einem Jahr Tätigkeit nicht alle Branchenvertreter von der Effizienz der GVU überzeugt.

Vor einem Jahr beschloss der Börsenverband des Deutschen Buchhandels (BöV), die GVU mit der Pirateriebekämpfung zu beauftragen. Seitdem ging dadurch kein größerer Anbieter aus dem Graubereich offline. Es gibt in diesem Bereich schlichtweg keine vorzeigbaren Erfolge.

GVU

Die Verlage und der Dachverband sollen nun jeweils netto 50.000 Euro aufbringen, dann könnten die Verlage ihre Testmitgliedschaft in eine Dauermitgliedschaft verwandeln. Die bisherigen Zahler erwarten aber, dass die Verlage alle Kosten solidarisch untereinander aufteilen sollen. Da spielen einige Unternehmen nicht mit. Der Justiziar des Börsenvereins, Christian Sprang sagte, man könne die Finanzierung momentan nicht endgültig klären. Da sich die Internet-Portale der Grauzone gut absichern und sich die Strafverfolgungsbehörden bei den Ermittlungen „sehr stark zurückhielten„, müsse man die GVU zusätzlich beauftragen, findet er. Ansonsten würde man „der organisierten Kriminalität die deutschen E-Books de facto als Freibeute überlassen.

Die Gründe für die zurückhaltende Finanzierung der GVU durch die Verlage wurden nicht veröffentlicht. Ganz offensichtlich fehlt es aber an Einigkeit, was die Strategie zur Bekämpfung der Urheberrechtsverletzungen betrifft. Manche Verlage bevorzugen die Durchführung von Abmahnungen in diversen Internet-Tauschbörsen, andere hingegen setzen auf Anti-Piracy-Unternehmen, die ihre Werke durch Abuse-Mails von Filehostern entfernen lassen.

Takedown-Verfahren sinnlos

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Wenn man den Stimmen aus der Szene lauscht, so heißt es dort, die Notice-and-Takedown-Verfahren seien prinzipiell aussichtslos. Die Verbreitung der Werke könne man damit nicht effektiv bekämpfen. Die Anti-Piracyfirmen können mit den Abuse-Verfahren lediglich belegen, dass sie für ihr Geld etwas im Kampf gegen die E-Book-Piraten unternommen haben. Mit Abmahnungen können die Verlage andererseits zumindest kleinere Summen generieren. Ein Großteil der Erlöse verbleibt bei den abmahnenden Kanzleien und den beauftragten IT-Dienstleistern, die die IP-Adressen der Filesharer festgehalten haben. Das Fazit der Szene ist simpel: Die Verlage führen entweder Flatrates im Kampf gegen das Piratenangebot ein. Oder aber sie lassen es sein und stellen sich darauf ein, auf Dauer unterzugehen.

Ohne Verräter wäre kino.to noch online

Da nützt es nichts, wenn die Betreiber der Anti-Piracy-Agentur Lisheennageeha Consulting im Kommentarbereich von buchreport.de gegen die GVU ätzen. Im Gegenteil: Der Schuss von Manuel Bonik in Richtung Konkurrenz lässt erahnen, dass man hier vor allem Werbung in eigener Sache machen will. Bonik kritisiert, die GVU habe es seit Bestehen von kinox.to nicht geschafft, dem Nachfolger von kino.to den Stecker zu ziehen. Kritisiert wird auch die personelle Verflechtung zwischen Börsenverein und GVU. So wurde der Hauptgeschäftsführer des BöV im November 2012 einstimmig zum Vorstandsmitglied der GVU ernannt.

kino.to
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Unerwähnt bleibt in Boniks kritischem Kommentar, dass die GVU ihren größten Erfolg nur deswegen feiern konnte, weil es innerhalb des früheren kino.to-Teams Unstimmigkeiten gab. Durch eigene Recherchen konnte die GVU nicht die Hintermänner des ehemals führenden Streaming-Portals ermitteln. Ohne die Unterstützung des Ehepaares, die die Betreiber gegen Zahlung einer unbekannten Summe verraten hat, wäre kino.to höchst wahrscheinlich noch heute online. Auch die Betreiber der Nachfolger konnten bis heute nicht ermittelt werden.

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